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Ein solches Vermögensverzeichnis könnte beispielsweise wie folgt aussehen:

1. Anfangsvermögen (§ 1374 I BGB) der Ehefrau am Tag der Eheschließung (17.07.1998)

Aktiva

Gesamtsumme Aktiva4.814,62 €
Bausparvertrag1.357,50 €
Pkw Fiat Panda (Wert geschätzt)750,00 €
Reitpferd "Monika" (Wert geschätzt)1.500,00 €
Sparkonto7,12 €
Dolby surround Anlage und TV (geschätzt)1.200,00 €

Passiva

Gesamtsumme Passiva2.298,09 €
restliche Verbindlichkeit aus Ratenkauf543,00 €
überzogenes Girokonto755,09 €
Mietschulden 1.000,00 €

Anfangsvermögen

Summe Anfangsvermögen2.516,53 €
Gesamstsumme Aktiva4814,62 €
Gesamtsumme Passiva- 2298,09 €

2. Zuerwerbsvermögen (§ 1374 II BGB) der Ehefrau

Summe Zuerwerbsvermögen56.320,00 €
Erbschaft nach der am 27.11.11 verstorbenen Großmutter Eigentumswohnung45.000,00 €
Schenkung eines Bausparvertrages durch die Eltern am 08.12.117.000,00 €
Erlass Darlehensverbindlichkeit durch Eltern am 07.01.124.320,00 €

3. Endvermögen (§1375 BGB) der Ehefrau am Tag der gerichtlichen Zustellung des Scheidungsantrages am 14.05.2016

Aktiva

Summe Aktiva178.108,32 €
Pkw Opel Astra5.000,00 €
½ Miteigentumsanteil Einfamilienhaus120.000,00 €
Eigentumswohnung50.000,00 €
Reitpferd "Bertha"500,00 €
Girokonto749,20 €
Wertpapierdepot1.859,12 €

Passiva

Summe Passiva80.523,99 €
Darlehen für Hausfinanzierung79.811,11 €
Restlicher Ratenkredit für Anschaffung eines AMC Kochtopfsets712,88 €

Endvermögen

Summe Endvermörgen97.584.33 €
Gesamstsumme Aktiva178.108,32 €
Gesamstsumme Passiva- 80.523,99 €

Es ist nun der erzielte Zugewinn (§ 1373 BGB), die Differenz zwischen Anfangs- und Zuerwerbsvermögen einerseits und dem Endvermögen andererseits festzustellen. Wenn wir die vorstehenden Werte einer solchen Berechnung zugrunde legen, dann ergibt sich bei der Ehefrau ein Zugewinn von:

Endvermögen97.584,33 €
Abzüglich Anfangsvermögen2.516,53 €
Abzüglich Zuerwerbsvermögen56.320,00 €
„Zugewinn“38.747,80 €

Indexierung

Da der Geldwert einer Inflation unterliegt, sind Zuerwerbs- und Anfangsvermögen noch mit dem Lebenshaltungskostenindes zu indexieren (also wertmäßig auf den Stand zum Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrages zu bringen, um die Werte vergleichbar zu machen), was dazu führt, dass Anfangs-und Zuerwerbsvermögen effektiv höher werden.

Anfangsvermögen
Am 17.07.19982.516,53 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.20163.196,35 €
Zuerwerbsvermögen
Vermögenszugang 27.11.2011: Eigentumswohnung45.000,00 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.201646.971,76 €
Vermögenszugang 08.12.2011: Bausparvertrag7.000,00 € 
Indexiert auf den Stichtag 14.05.20167.292,52 €
Vermögenszugang 07.01.2012: Erlass4.320,00 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.20164.504,90 €
Summe indexiertes Zuerwerbsvermögen58.769,18 €

Danach errechnet sich der Zugewinn der Ehefrau wie folgt:

(inflationsbereinigter) Zugewinn35.618,80 €
Endvermögen97.584,33 €
abzüglich indexiertes Anfangsvermögen3.196,35 €
abzüglich indexiertes Zuerwerbsvermögen58.769,18 €

Wenn man davon ausgeht, dass der Ehemann einen Zugewinn von beispielsweise 17.000,00 € hatte, so ist es der Ehemann, der einen Zugewinnausgleichsanspruch gegen die Ehefrau hat und zwar in Höhe eines bei Scheidung fälligen Zahlungsanspruches von:

35.618,80 € - 17.000,00 € = 18.618,80 €

Die Ausgleichsforderung ist die Hälfte des Betrages, um den das Vermögen des Ausgleichspflichtigen das Vermögen des Ausgleichsberechtigten übersteigt (§ 1378 BGB), demgemäß:

18.618,80 € : 2 =  Zugewinnausgleichsanspruch 9.309,40 €

Die vorstehende Darstellung täuscht über die wahre Problematik von Zugewinnausgleichsverfahren etwas hinweg. Häufig lässt sich das Anfangsvermögen bzw. das Zuerwerbsvermögen nicht nachweisen, weil entsprechende Dokumente nach langer Ehezeit nicht mehr vorliegen oder (bewusst) vernichtet worden sind. Aus diesem Grunde empfiehlt der Gesetzgeber - worauf allerdings noch nicht einmal ein Standesbeamter hinweist - ein Verzeichnis über das Anfangsvermögen (§ 1377 BGB) bei Eheschließung zu erstellen.

Ehegatten haben im Konfliktfall im Rahmen der Scheidung natürlich gegenläufige Interessen und es kommt maßgeblich darauf an, sich bereits in einem frühen Stadium der Trennung taktisch klug zu verhalten, Auskunftsansprüche geltend zu machen, notwendige Investitionen verlustbehafteter Güter zur Reduzierung des Vermögens vor dem Stichtag zu tätigen oder gewinnbringende Anschaffungen mit Aussicht auf Wertsteigerung möglichst auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

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